Welpen während der Coronapandemie

Die Coronapandemie hat das Leben der Menschen stark beeinflusst und zeitweise erheblich eingeschränkt. Auch Hundehalter können davon ein Lied singen, haben nicht nur sie, sondern auch ihre Vierbeiner unter den Umständen gelitten und das in großem Maße. Denn in der Coronazeit hat – da viele im Homeoffice tätig waren – ein wahrer Run auf Welpen und Junghunde eingesetzt. Was mit vielen der Tiere wird, wenn der normale Alltag wieder einkehrt, steht auf einem anderen Blatt.

Defizite nachhaltig trainieren

Fatal war im letzten Jahr vor allem, dass durch Kontaktbeschränkungen die Züchter ihre Welpen nicht so sozialisieren konnten, wie es eigentlich sein sollte. Zudem mussten während dieser Zeit viele Hundeschulen staatlich bedingt schließen oder durften nur Einzelunterricht geben. Somit fiel eine wichtige Gelegenheit flach, vor allem Welpen zu sozialisieren. Jetzt kämpfen einige aus der Hundegeneration Corona mit diesen Defiziten. Pfötchen regional sprach mit der Mannheimer Hundetrainerin Nadine Bihn von „Chico rockt“ über die Folgen und Probleme, die dadurch auftreten und was man dagegen tun kann.

Wie wirkt sich das auf das spätere Leben von Hunden aus, wenn wichtige Kontakte in der Welpenzeit fehlen?

Nadine Bihn: Für das Sozialverhalten ist es natürlich wichtig, dass Welpen gute Kontakte zu Artgenossen haben, ebenso zu Menschen. Allerdings ist hier auch zu sagen, dass nicht jeder Kontakt förderlich ist! Man sollte diese gut auswählen, sodass die Welpen positive Erfahrungen machen. Welpenspielstunden in denen zehn oder mehr Hunde durcheinander rennen sind absolut nicht förderlich.

Leider mussten fast alle Hundeschulen schließen. Damit wurde den Welpen und ihren Besitzern wieder ein wichtiger Bereich genommen, Kontakte zu knüpfen?

Nadine Bihn: Kontakte sind wichtig, aber wildes durcheinander rennen hat nichts mit guten Sozialkontakten zu tun. Ein Welpe im Kontakt mit eins bis zwei anderen Hunden ist optimal. Wir bei Chico rockt trainieren daher in Klein-Gruppen und freies Spiel gibt es auserwählt, sodass auch die Bedürfnisse der ‚Spielpartner‘ gut zusammenpassen.

Und es geht noch weiter: Beim Gassi gehen durfte man ja oft nur mit einer weiteren Person unterwegs sein. Auch dadurch waren die Besitzer sehr eingeschränkt. Wie sieht das die Expertin?

Nadine Bihn: Da Welpen schnell reizüberflutet werden können, ist es gar nicht so schlecht, dass alles etwas dosierter war beziehungsweise ist. Denn so hat der Welpe Zeit sich mit den Kontakten in aller Ruhe auseinander zu setzen und wird nicht überfordert. Viele Welpen sind hektisch und nervös, weil zu viel gemacht wird und sie zu wenig ruhen. Weniger ist mehr heißt die Devise… Umwelt und Reize kennenlernen ja, aber bitte immer dosiert.

Im Moment trifft man immer mehr Hunde, die entweder ängstlich oder aggressiv auf Menschen oder Artgenossen reagieren, ist das die Folge dieser oben genannten Beschränkungen? Mach ihr bei Chico rockt die gleichen Erfahrungen?

Nadine Bihn: Es gibt mit Sicherheit den ein oder anderen Hund, der aufgrund von den Einschränkungen Defizite hat, aber bei der Mehrzahl bin ich mir sehr sicher, dass dies andere Gründe hat wie zum Beispiel Hunde, die aus schlechten Aufzuchten stammen oder die Hunde, die aus dem Auslandstierschutz kommen und mit unserem Leben hier erstmal überfordert sind. Ebenso was ich oben gesagt habe, dass Welpen überfordert werden und dadurch auch viele Probleme entstehen können.

Überspitzt gefragt: Haben Besitzer und Hunde überhaupt noch eine Chance, das Versäumte nachzuholen?

Nadine Bihn: Klar, jeder Hund lernt sein Leben lang. Man kann immer trainieren und Verhalten verbessern.

Was empfiehlst du den Besitzern, wie können diese ihre Hunde jetzt unterstützen?

Nadine Bihn: Es ist wichtig, dass man sich mit den Bedürfnissen des Hundes auseinandersetzt, damit man individuell an den Themen arbeiten kann. Wenn man die Ursache für die Defizite kennt, kann man – am besten unter professioneller Anleitung – effektiv und nachhaltig trainieren.

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