Vorurteil Kampfhund

Viel besser als ihr Ruf

Diese Woche beim Gassi gehen ist es mir mal wieder aufgefallen (sorry, ich berichte häufig vom Gassi gehen, aber das ist halt eine der Hauptbetätigungen von Hundebesitzern) – sogenannte Kampfhunde werden immer kritisch beäugt. Zu dieser Erkenntnis bin ich schon mehrmals gekommen, aber so richtig bewusst, wie sich manche Besitzer von Bullterrier, Pitbull und Co fühlen müssen, habe ich vor Jahren am eigenen Leib erfahren.

Rückblende! Eine gute Bekannte bat mich, mit ihrem Miniaturbullterrier ein paar Runden zu gehen, da sie einen wichtigen Termin hatte. Kein Problem für mich, vor allem, weil es sich bei Pete – so der Name des Rüden – um den liebsten Hund der Welt handelte. Nie hatte ich einen fröhlicheren und ausgeglicheneren Vierbeiner kennen gelernt. Pete war der beste Freund meiner beiden Hündinnen – die im Gegensatz zum ihm, beide echt richtige Zicken und zeitweise für Fremde mit Vorsicht zu genießen waren. Aber beide hatten weißes Wuschelfell und jeder, der sie sah rief, ah sind die schön und süß.

Von wegen süß, dachte ich deshalb immer, die beiden waren ausgewachsene Herdenschutzhunde und verstanden ihren Job durchaus. Wer ungefragt zu nahe kam, wurde massiv angeknurrt. So kann das Aussehen täuschen…

Schlafender Hund

Doch zurück zu Pete. Nachdem ich mit meiner Sina unterwegs war, ging ich zum Haus meiner Bekannten, um den lieben Mini-Bulli abzuholen. Ich schloss die Tür auf und wartete auf eine misstrauische Begrüßung – immerhin war ich eine Fremde, die das Haus betrat. Doch von Pete keine Spur, ich rief und lief Richtung Wohnzimmer, wo der Fernseher lief und da lag er – dieser „gefährliche Kampfhund“ auf der Couch und schlief. Ich musste schmunzeln. Nachdem ich ihn mehrmals laut angesprochen hatte, bequemte sich Pete endlich von der Couch. Draußen erwartete mich dann etwas, was ich so noch nicht erlebt hatte. Leute wichen auf die andere Straßenseite aus, wieder andere schauten uns verächtlich an. Keiner sagte, wie ich es eigentlich gewohnt war und heute noch bin: „Ach, ist der süß. Bestimmt ein ganz Lieber. Nein, im Gegenteil. Mit dem fröhlich neben mir her hüpfenden Mini-Bulli wollte keiner etwas zu tun haben. Ich kam mir fast vor wie eine Geächtete.

Seit diesem Erlebnis zolle ich Besitzern von sogenannten Kampf- oder  Listenhunden noch mehr Respekt. Sie stehen trotz aller Widrigkeiten, die ihnen in den Weg gelegt werden, zu ihren Vierbeinern. Keine Kampfhundeverordnung, erhöhte Steuersätze, abfällige Bemerkungen und vor allem Vorurteile können ihre Liebe zu diesen Rassen untergraben.

Negative Einzelfälle nicht verallgemeinern

Es würde mich unendlich freuen, wenn Medien aufhören würden, Horrormeldungen zu verbreiten, denn in den Beißstatistiken liegen oft ganz andere Hunde wie beispielsweise der Deutsche Schäferhund vor den sogenannten gefährlichen Rassen. Doch diese Vorfälle werden häufig nicht einmal erwähnt.

Und wie wir alle wissen, liegt es letztendlich in der Verantwortung eines Besitzers wie sich Hunde entwickeln und verhalten. Es wird immer negative Einzelfälle geben, wie bei allem im Leben, aber darunter sollten nicht die leiden, die sich diesen „Kampfhunden“ mit Leib und Seele verschrieben haben.

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