Trend Mehrhundehaltung

Einer geht noch!? Unter Hundehaltern lässt sich in den letzten Jahren vermehrt der Trend zur Mehrhundehaltung feststellen. Warum ist das so? Pfötchen regional hat mit der und passionierten Mehrhundehalterin und Diplom-Psychologin Alexandra Dusin unterhalten.

Warum geht der Trend immer weiter hin zur Mehrhundehaltung?

Die Gründe sind sicher individuell und vielfältig. Insgesamt beobachte ich eine erfreuliche Tendenz dahingehend, dass sich Menschen mehr damit beschäftigen, wie ihr Hund glücklich sein kann und was Lebensqualität für ihren Hund bedeutet. Hunde sind inzwischen immer mehr „Partner auf Augenhöhe“ und werden in ihren individuellen Bedürfnissen mehr geachtet. Für viele Menschen scheint es naheliegend zu sein, dass viele Hunde noch glücklicher sind, wenn sie mit ihresgleichen zusammenleben können.

Worin liegt der Reiz?

So schön die Interaktion zwischen Mensch und Hund ist, so schön ist es auch, die Interaktion von Hunden untereinander zu beobachten. Sie kommunizieren auf so feine Art und Weise, sind dabei stets unmittelbar und authentisch und immer präsent im Hier und Jetzt. Sie sind weder nachtragend noch machen sie sich Sorgen um die Zukunft, es zählt immer nur der gegenwärtige Moment. Gerade durch das Zusammenleben mit mehreren Hunden fallen die charakterlichen Unterschiede zwischen ihnen noch mehr auf. Jeder meiner drei Hunde hat ganz verschiedene Eigenschaften und Interessen.

Was ist die Herausforderung?

Genau darin liegt für mich auch eine der größten Herausforderungen: Wie kann ich nicht nur dem Rudel als Ganzes, sondern auch jedem einzelnen Individuum in seinen persönlichen Neigungen gerecht werden? Neben den täglichen gemeinsamen Spaziergängen und Ausflügen mit allen drei Hunden, versuche ich auch mit jedem Hund einzeln etwas zu unternehmen. Meine Riesenschnauzerhündin Lucy begleitet mich immer dann, wenn ich einen Wachhund brauche, außerdem gehen wir gerne mantrailen und sie ist mein persönliches Topmodel, wenn ich eine neue Fotolocation testen möchte. Mein Riesenschnauzerrüde Flash und mein Großpudelrüde Moksha sind ausgebildete Therapiehunde und begleiten mich abwechselnd zur Arbeit in meine psychotherapeutische Praxis.

Wie sehen Sie als Psychologin die Entwicklung zu Mehr-Hund?

Generell sehe ich die Entwicklung zu Mehr-Hund positiv, wenn sie aus den Gründen erfolgt, die ich oben beschrieben habe: Um den Hunden ein wunderbares Leben zu ermöglichen und an deren Glück teilzuhaben.

Fehlt den Menschen etwas?

Im Zusammenleben mit den Hunden können Menschen wieder lernen, authentisch zu sein, im Moment zu leben und das Leben zu genießen. Das sind Dinge, die in einer „rein menschlichen“ Welt, die auf Wirtschaftswachstum und Funktionieren ausgerichtet ist, viel zu oft zu kurz kommen.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Die Schwierigkeit liegt darin, das Potential, das das Leben mit Hunden bietet, auch wirklich zu nutzen. Wir sollten uns eher fragen „Was können wir von unseren Hunden lernen? Wie können wir die Dinge, die unsere Hunde auszeichnen, auch in unser Leben integrieren?“ statt zu versuchen, den Hunden unser eng getaktetes Menschen-Alltags-Korsett mit all unseren unnötigen Erwartungen und Ansprüchen aufzuzwängen. Gerade in einem Mehrhundehaushalt passiert es so schnell, dass wir wollen, dass die Hunde „perfekt funktionieren“, allein schon um den kritischen Blicken anderer zuvorzukommen und nur nicht überfordert zu wirken. Das ist ziemlich sicher kein guter Weg zum Glück. „Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, einen halben Menschen aus ihm zu machen. Ziehen Sie stattdessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden.“ sagte einst Edward Hoagland und ich finde, das ist absolut wahr und in einem Mehrhundehaushalt erst recht.

Was sollten Menschen mit Ambitionen zu mehreren Hunden beachten?

Naja, bei aller Liebe zum Hund sollte hier eine realistische Selbsteinschätzung zugrunde liegen. Was kann ich finanziell stemmen? Wieviel Platz habe ich wirklich im Haus, im Auto, im Reisemobil,…? Wie viele Hunde kann ich rein körperlich überhaupt managen? Wieviel Zeit habe ich, um jedem Hund gerecht zu werden?  Außerdem gehört wohl eine gute Portion Mut, Neugier und Offenheit dazu. Wenn man es schafft, sich von Erwartungen frei zu machen und die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, wird man weniger enttäuscht sein und kann das Leben auch mit mehreren Hunden mehr genießen.

Unsere Expertin

Alexandra Dusin
Diplom-Psychologin
Hundebesitzerin und Fotografin

Bildquelle: Valerie Bourscheidt

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