Ihr Hund hört nicht, wenn man ihn ruft? Rückruf erfolgreich trainieren

Young woman train german shepherd dog to sit

„Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieerherrrrrrrrrrrr, Bruno kooooommmm!!“ Wenn irgendwo beim Gassigehen so ein dringliches Kommando ertönt, weiß jeder Hundehalter sogleich, hier ruft jemand ganz verzweifelt seinen Hund zurück, beziehungsweise versucht zumindest lautstark, das Tier zum Kommen zu bewegen. Leider, und das kennen viele Frauchen und Herrchen aus eigener Erfahrung, oft vergebens.

„Der Rückruf ist eines der wichtigsten Kommandos in der Hundeerziehung. Es liegt in meinem Ranking sogar noch vor Sitz und Platz. Denn es ist extrem wichtig, dass der Hund folgt, wenn er gerufen wird. Es kann seine Lebensversicherung sein.“

Nadine Bihn, erfahrene Hundetrainerin und Gründerin der Hundeschule „Chico rockt“ in Mannheim

Bihn verdeutlicht dabei, dass sich Hunde in gefährliche Situationen bringen können, wenn sie ihre Ohren auf Durchzug stellen. Die Inhaberin der Hundeschule „Chico rockt“ weiß jedoch aus langjähriger Erfahrung, wie häufig es Hundebesitzer versäumen, den Rückruf zu festigen. „Viele Halter trainieren das nicht ausreichend und wundern sich dann, wenn der Hund nicht folgt. Rückruftraining ist reine Fleißarbeit und gehört regelmäßig, quasi ein ganzes Hundeleben lang, trainiert“, sagt die Hundetrainerin.

Sorgfalt und Konsequenz ist das A und O

In ihrer Hundeschule bietet sie regelmäßig Workshops zum Thema Rückruf an. „Vor allem Junghundebesitzer sind oft nicht mit der nötigen Sorgfalt bei der Sache. Irgendwann fällt ihnen dann auf, dass der Hund nicht hört, wenn man ihn ruft“, so die Ilvesheimerin. Oft hört sie dann: Dabei hatte es doch beim Welpen so gut geklappt. „Genau da liegt die Cruz, ein Welpe folgt so gut wie immer und deshalb lässt bei vielen Besitzern das Engagement nach. Ein Junghund dagegen entdeckt die Welt und wird immer selbständiger. Dadurch hört er dann immer weniger auf seinen Besitzer und ignoriert ihn gerne“, erzählt Nadine Bihn.

Auch auf Distanz unter Kontrolle

Natürlich muss der junge Hund Erkundungsverhalten ausleben können und dürfen, aber eben vom Menschen kontrolliert. Und kontrollierter Freilauf bedeutet für den jungen Hund in erster Linie ein Laufen an der Schleppleine. So hat man den Hund auch auf Distanz unter Kontrolle. Geschieht dies nicht, wird der Spaziergang ohne Leine für Besitzer und Vierbeiner schnell eine Belastung. Denn nur wer seinen Hund aus allen Situationen entspannt zurückrufen kann, ist klar im Vorteil. „Dann kann er das Tier freilaufen lassen. Das bringt Vorteile für den Hund und der Mensch kann entspannter spazieren gehen“, sagt die 36-jährige.

Rückruftraining ist Fleißarbeit

Häufig wird laut der Hundetrainerin auch die Komplexität eines Rückrufes unterschätzt. Denn hinter dem Rückruf stecke eine ganze Kette an Befehlen, die der Hund befolgen muss. „Er muss stoppen, das was er gerade getan hat beenden, umdrehen und zu Frauchen oder Herrchen zurücklaufen. Das ist doch einiges, was der Vierbeiner da leisten muss“, verdeutlicht die Hundetrainerin. Am besten ist es ihrer Erfahrung nach, wenn Halter erst einmal intensiv ohne Ablenkungen üben. Sitzt das, dann kann man in Situationen mit Ablenkungen üben. „Dabei sollten die Besitzer nicht vergessen, dass jede neue Ablenkung auch eine neue Situation für den Hund ist. Und da ist man wieder bei der Fleißarbeit“, erklärt die Hundeexpertin.

Doch wenn das wichtigste Kommando zuverlässig klappt: Ein Ruf, ein Pfiff – und sie sind da! „Dann ist es nicht nur eine schöne Belohnung für die Besitzer, sondern damit gestaltet sich das Leben mit ihren Hunden sehr viel angenehmer und erweitert seinen Bewegungsradius um ein vielfaches“, betont Nadine Bihn.

Fehlerquellen beim Rückruf

  • Viele Hunde werden nur bei Ablenkung zurückgerufen und dann angeleint. Sie nehmen deshalb automatisch an, das irgendwo etwas sein muss, wenn sie gerufen werden. Statt zu kommen, überprüfen sie daher erst die Lage und halten nach Ablenkungen Ausschau! Besser: Trainieren ohne Ablenkungen, dann sitzt der Rückruf, wenn der Ernstfall eintritt.
  • Die nicht passende Belohnung. Ein Hund, der gerufen wird, wenn ein anderer Hund auftaucht, sollte ausreichend belohnt werden. Beispielsweise dadurch, dass er das nächste Mal mit dem Hund spielen darf. Wer immer „nur einen Keks“ erhält, denkt, den Keks bekomme ich auch noch später. Daher abwechslungsreich mit den Belohnungen sein.
  • Wenn ein Hund zurückgerufen wird, dann aber erst verspätet dem Rückruf folgt und dann dafür beschimpft wird, belegt das den Rückruf negativ. Deshalb lieber wortlos anleinen und seinen Unmut runterschlucken.

Bildquelle: Amazing Moments/ Annika Ridder

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