Hundeversteherin oder nur gut abgerichtet?

„Ich gehe mir dir, wohin du willst“ – als Nena diesen Hit sang, hat sie garantiert nicht an mich und meine Hunde gedacht. Aber die Zeile trifft voll auf uns zu. Vielleicht hat sie uns ausspioniert, bevor sie diesen Song geschrieben hat! Scherz beiseite. Mir ist nicht einmal selbst aufgefallen, dass ich meine Hunde frage, in welche Richtung sie laufen wollen. Aber erst einmal zurück auf Anfang. Ich war mit einer meiner Hündinnen unterwegs – und wir praktizierten gerade unser berüchtigtes „Gassi stehen“ (https://pfoetchen-regional.de/wir-stehen-gassi/) als meine Kollegin anrief. Natürlich hat mich dieser überraschende Anruf so inmitten der Natur nicht unter Stress gesetzt, denn beim Stehen mit Hund quillt ja bekanntlich das Stresslevel nicht gerade über. Aber ehrlich gesagt, waren wir gerade in diesem Moment sogar ein wenig am Gehen und so kam das Telefonat nicht zum Idealzeitpunkt. Denn just  in diesem berühmten Moment tat sich  eine Wegabzweigung auf. Wir hatten die Qual der Wahl, entweder geradeaus am Feld entlang oder scharfe Linkskurve zwischen den Seen durch. Wie an allen Abzweigungen beziehungsweise Kreuzungen tut meine Indigo das, was sie sowieso am meisten tut… Ja, Sie haben richtig geraten: Sie bleibt einfach stehen.

Seelenverwandtschaft unter Hundehaltern

So weit, so gut. Dann stellte ich so nebenbei und ganz unbewusst (weil ich das immer so mache) die Frage: Indi, wo willst du entlang, geradeaus oder links?“. Erst das laute Gelächter meiner Kollegin holte mich verdutzt aus meinem Hundegesprächs-Modus… „Ich fasse es nicht, du fragst deine Hunde auch, wo sie entlanglaufen wollen“, amüsierte sich meine Kollegin laut schallend lachend am Phone und gab dann etwas kleinlaut zu: „Nun ja, ich mache das eigentlich auch immer so.“ Es machte klick und sofort war sie da – diese Seelenverwandtschaft, die es nur zwischen Hundehaltern geben kann, die gleich ticken.

Viel pragmatischer als ich

Mein Mann sieht dieses Verhalten ganz anders, ganz pragmatisch, nicht so liebevoll verklärt. Also er meint kurz und knapp: „Deine Hunde haben dich gut im Griff und voll abgerichtet!“ Ich protestiere jetzt öffentlich an dieser Stelle, das stimmt nicht!  Mein Mann hat sie ja auch nicht, diese Seelenverwandtschaft und versteht deshalb nicht: Was mich mit meinen Hunden verbindet, ist eine gemeinsame Entscheidungsfindung. Eine Hundetrainerin sagte mal zu mir: „Lass die Hunde entscheiden oder anzeigen, was sie wollen!“ Und wenn ich mir nichts, aber auch gar nichts aus diesem Unterricht gemerkt habe – dieser Satz hat sich eingemeißelt und wird über Gebühr von mir beansprucht.

Habt ihr Hunger, wollt ihr raus? Täglich lasse ich meine Hunde entscheiden. Außenstehende können vermutlich dabei keine Entscheidung feststellen. Aber ich! Denn ich kenne meine Hunde wie meine Westentasche. Jala hebt ganz leicht ihre rechte Augenbraue und schaut ziemlich genervt drein, wenn sie keinen Hunger hat. Da kann ich auftischen, was ich will. Sie wird es mir verächtlich vor die Füße spucken. Indi stelle ich die Frage erst gar nicht, denn sie ist sofort zur Stelle, um sich das einzuverleiben, was Jala ausgespukt hat. So einfach ist das. Problem gelöst, Entscheidung getroffen. Ich könnte jetzt den Beispielsreigen unendlich fortsetzen. Jedoch fehlt mir die Zeit. Indi steht gerade an der Tür und zeigt mir an, dass sie raus will. Das weiß ich auch so, ganz ohne Nachfrage…

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