Hundeliebe mit einigen Hürden

KAMPFHUNDE: Damit müssen ihre Halter rechnen

Wer darf Kampfhunde halten? 

Stefan Kaspar: Bereits da gibt es schon einiges zu beachten, was sich von dem Besitz andere Rassen unterscheidet. So muss der Halter mindestens 18 Jahre alt und körperlich in der Lage zu sein, den Hund sicher zu führen.

Was sollte man als Besitzer mitbringen?

Stefan Kaspar: Auf jeden Fall sollten Menschen, die einem Kampfhund ein Zuhause schenken wollen, schon gute Erfahrungen mit Hunden mitbringen und sich vor allem mit den Rassen auskennen.

Mit welchen Rassen verbindet man typischerweise Kampfhunde?

Stefan Kaspar: In Baden-Württemberg zählen der Pitbull, Amstaff- und der Bullterrier sowie deren Mischlinge dazu. Und wird beim Gentest mehr als 29 Prozent der genannten Rassen festgestellt, zählt er ebenfalls als Kampf- und gefährlicher Hund.

Hat es Vorteile, einen Kampfhund beim Züchter zu kaufen?

Stefan Kaspar: Auf jeden Fall! Bei einer richtigen Zucht kann man die Verbindungen nachschauen und man weiß, dass die Zucht vom Verband überwacht und genehmigt wurde. Auch kennen sich die meisten Züchter gut mit den Grundlagen der rassetypischen Merkmale und Charaktereigenschaften aus und daher ist davon auszugehen, dass die Verbindungen meistens passen und so meistens gesunde und vernünftige Welpen geworfen werden. Hier sollte man auf die Empfehlungen achten, denn es gibt leider auch unter den Züchtern schwarze Schafe. 


Was sind typische Charaktereigenschaften der Rassen?

Stefan Kaspar: Die meisten sind sehr familienbezogene und kinderfreundliche Hunde. In den USA nennt man sie auch oft Nannydogs. Sie sind sehr verschmust und lieben Körperkontakt. Allerdings haben viele auch eine niedrige Reizschwelle. Die macht sich meist bemerkbar, wenn sie überfordert sind oder sich bedroht fühlen. Ist dieser Punkt erreicht, kann es da auch kritisch werden.


Warum gelten Kampfhunde als so gefährlich?

Stefan Kaspar: Durch ihre niedrige Reizschwelle sind sie im Aggressionsverhalten sehr schwer zu kontrollieren. Manche kommen da richtig in einen Rausch und durch ihre enorme Beißkraft können sie dementsprechend Mensch oder Tier schwere Verletzungen zufügen.

Was kommt auf mich als Halter zu, wenn ich mir so ein Tier zulege?


Stefan Kaspar: Als erstes stehen einige Formalitäten an. Die Anmeldung, dann der schriftliche Sachkundenachweis und zweimal ein Wesenstest. Zudem muss ein Führungszeugnis bei der Behörde vorgezeigt werden. Ab dem sechsten Monate besteht Maulkorbpflicht und der Hund darf nur an einer maximal zwei Meter langen Leine geführt werden. Außerdem ist der Freilauf im öffentlichen Gelände untersagt.

„Die Halter von Kampfhunden müssen jährlich eine erhöhte Hundesteuer zahlen. In Mannheim sind das zum Beispiel 648 Euro. Außerdem ist die Hundehaftpflicht in der Regel wesentlich teuerer als bei einem normalen Hund.“

Stefan Kaspar

Muss jeder Kampfhund zum Wesenstest?

Stefan Kaspar: Ja, jedenfalls in Baden-Württemberg muss jeder sogenannte Kampfhund zum Wesenstest. Es gibt jedoch Bundesländer, wo man keinen braucht.

Kann ich alle Länder mit diesen Tieren bereisen?

Stefan Kaspar: Nein, denn es gibt Länder, in die man mit einem Kampfhund weder ein- noch durchreisen darf. Darum rate ich dringendst dazu, sich vor Reiseplanung gut zu informieren.

Was schätzen Sie persönlich an den sogenannten Kampfhunden?

Stefan Kaspar: Ich mag ihre liebevolle und auch ulkige Art. Sie sind auch extrem menschenbezogen. Führt man sie verantwortungsvoll, sind es supertolle Hunde.

Interview: Swenja Knüttel 

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Stefan Kaspar

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