Hüftdysplasie – was ist das?

Die Hüftdysplasie (HD) ist wohl die bekannteste und am häufigsten Erkrankungen des Bewegungsapparates beim Vierbeiner. Vor allem grobwüchsige Hunde sind davon betroffen. Eine, die fast täglich mit dieser Erkrankung zu tun hat, ist Hundephsyiotherapeutin Ute Knobloch von fitter dog, dem Zentrum für Hundephysiotherapie.

Hüftdysplasie, kurz HD genannt, was muss man darunter verstehen?

Bei der Hüftdysplasie liegt der Oberschenkel-Kopf nicht ausreichend tief in der Hüftpfanne und ist locker. Diese Fehlbildung des Hüftgelenks führt in der Folge während jeder Bewegung zu einem Verschleiß des Gelenkknorpels, und damit zwangsläufig zu schmerzhaften Prozessen wie Osteoarthritis und Arthrose. Bei jungen Patienten kann es durch eine Hüftdysplasie aufgrund der übermäßigen Lockerheit im Gelenk zu einer Subluxation (teilweise Verrenkung oder einer vollständigen Luxation (Ausrenkung) des Oberschenkelkopfes kommen. Durch die Lockerheit und ggf. Subluxation wird die Gelenkkapsel permanent gedehnt, was Schmerzen und Lahmheit verursacht. Bei älteren Patienten führt die Hüftdysplasie zu degenerativen Gelenkveränderungen in unterschiedlicher Ausprägung. Gewicht, Überbelastung, Ernährung und Alter beeinflussen zusätzlich den Verlauf der Erkrankung. Die Hüftdysplasie ist demnach eine multifaktorielle Krankheit, die nicht heilbar ist.

Ist HD vererbbar, warum kommt sie so häufig vor?

Die Hüftdysplasie des Hundes ist nach wie vor, trotz Zuchtselektion ein insbesondere bei großen Rassen weit verbreitetes, angeborenes Problem des Hundes. Anders als viele andere erblich bedingte Erkrankungen wird die Hüftdysplasie nicht nur von einem, sondern von mehreren veränderten Genen verursacht, die jedoch noch nicht ausreichend identifiziert werden konnten. Da noch keine Gentests für die gezielte Verpaarungen von Zuchthunden zur Verfügung stehen, bleibt das Röntgen als alleinige diagnostische Möglichkeit.

Warum ist die Diagnose HD oft so erschreckend für die Besitzer?

HD ist nicht heilbar und tritt in unterschiedlich leichten bis schweren Verläufen auf. Entsprechend kursieren dazu natürlich ganz viele unterschiedliche Berichte in den Medien und verunsichern die Menschen. Da wird von Schmerzen, Operationen noch vor dem ersten Lebensjahr, von künstlichen Hüften, lebenslanger Physiotherapie und so weiter gelesen und am Schlimmsten sind für mich Sätze wie: ‚wir haben ihn doch extra vom Züchter geholt‘. Und ‚ich wollte doch Hundesport machen, züchten, eine Rettungs-Hundeausbildung usw. machen‘.

Wie bemerke ich, dass mein Hund eventuell Probleme mit den Hüften hat?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Immer wieder auftretende, Lahmheiten und Meideverhalten, sprich Zögern beim Spielen, Springen, Treppensteigen können daraufhin deuten, können aber auch andere Ursachen haben. In Kombination mit einem auffälligem Gangbild, eventuellen Rückenproblemen und ein- oder beidseitigen Muskulatur-Abbau der Hintergliedmaßen lässt sich eine erste Vermutung anstellen.

Wenn mein Hund HD hat, was bedeutet das für mich als Besitzer?

Im besten Fall erklärt der diagnostizierende Tierarzt, wie und was für Optionen es nun gibt. Doch oft werden die Hundemamas und -papas in der Situation alleine gelassen. Kommt diese Diagnose und das Tier zeigt noch keine Beschwerden, dann darf man erstmal durchatmen. Es ist durchaus möglich, dass man von weiteren Problemen verschont wird. Treu dem Motto ‚Wer rastet der rostet‘, das ist bei uns Menschen genauso, ist gleichmäßiges Bewegen wie Joggen mit Hund, am Fahrrad traben und Schwimmen  das A und O. Muskelerhalt beziehungsweise Muskelaufbau sind die Zauberworte.

Auf was muss ich achten, wenn mein Liebling HD hat?

Falsch wäre es jetzt, unsere Fellnase ‚in Watte zu packen‘. Immer vorausgesetzt, es bestehen keine akuten Beeinträchtigungen, darf ein Hund mit HD ein ganz normales Leben führen. Er darf hobbymäßig leichten Hundesport machen, er darf in Abhängigkeit von Rasse und Größe auch Treppen laufen und in den Kofferraum springen. All dies fördert und stärkt die Muskulatur. Wie bei allem, die Dosis macht das Gift, das heißt immer den gesunden Menschenverstand einschalten. Ich sollte allerdings auch meinen Hund beobachten und bei Veränderungen des Gangbildes, Lahmheiten, Empfindlichkeiten des Rückens entsprechend reagieren.

Wie sind die Prognosen?

Die gute Nachricht: daran kann man nicht sterben. Die schlechte Nachricht: man kann sie nicht heilen. Abgesehen von operativen Eingriffen, wie zum Beispiel die dreifache Beckenosteotomie (Durchtrennung des Beckenknochens ) im ganz jungen Alter, künstliches Hüftgelenk oder Femurkopfresektion (Entfernung des Oberschenkelkopfes), die erhebliche Eingriffe in den Körper sind und oft mit Komplikationen einher gehen können, kann man dazu keine Aussage machen. Das, was uns das Röntgenbild zeigt, steht oft nicht in Relation zu den Beschwerden des Hundes und der Verlauf ist ganz individuell.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Problem zu lindern?

Gewicht, Überbelastung, Ernährung und Alter beeinflussen zusätzlich den Verlauf der Erkrankung. Das heißt immer auf Idealgewicht achten, die Belastungen dem Alter und dem Beschwerdebild anpassen und bei der Fütterung eher auf ein gutes Nassfutter, Barf oder Selbstgekochtes zurückgreifen. Je nach Schweregrad reichen die Therapiemaßnahmen von Physiotherapie über die Goldakupunktur bis hin zur chirurgischen Maßnahmen in besonders schweren Fällen.

Unsere Expertin

Ute Knobloch
Hundephysiotherapeutin,
Inhaberin Fitter dog,
Hundezentrum für Hundephysiotherapie

Bildquelle: privat

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