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Zu mir kommen viele Besitzer, die wirklich unter einem enormen Leidensdruck stehen. Dabei machen die Tiere ja noch nicht einmal etwas verkehrtes. Es liegt ihnen in den Genen, denn Jagen gehört zum natürlichen Verhaltensrepertoire von Hunden“, fasst die Hundeverhaltenstherapeutin zusammen. Problematisch sind dagegen die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. „Da ist zum einen die Verkehrssituation, Gassiwege stoßen früher oder später an gefährliche Straßen. Das beste Beispiel ist Bensheim, der Ort ist eingekesselt von der A 5 und der A 67. Wenn ein Hund einem Tier hinterherhetzt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass einer von beiden auf der Autobahn landet“, warnt die Mannheimerin. Oder der Hund rennt einem Jäger vor die Flinte. Jeder, dem der Hund einmal ausgebüxt ist, weil er eine Spur aufnimmt, weiß wie schlimm das für den Besitzer ist. Da werden gefühlt aus Minuten Stunden und die Sorge wächst und wächst von Minute zu Minute. „Und nicht zu vergessen ist das Tier, das gejagt wird. Oft tragen sie gefährliche Verletzungen davon. Die Liste der Nachteile bei jagenden Vierbeinern ist wirklich lang“, so die Hundetrainerin und empfiehlt dringend etwas dagegen zu tun.Dennoch weiß die Fachfrau aufgrund ihrer langen Erfahrung, dass man den Jagdimpuls nie ganz aus einem Tier verbannen kann. „Wer das behauptet, verspricht etwas, was er nicht halten kann, denn ein genetisch verankertes Verhalten kann man nicht ‚wegtrainieren’, aber man kann es kanalisieren und somit gewünschte Bahnen lenken“, sagt die 36-Jährige.

In ihren Workshops „Gemeinsam Jagen – Anti-Jagd-Training“ bietet sie eine gute Grundlage für die Besitzer. „Wir konzentrieren uns in diesem Workshop auf die Bedürfnisse des Hundes und setzen auf die individuelle Motivation des Tieres, um die Aufmerksamkeit des Hundes zu verstärken und bieten ihm Jagd-Ersatz-Beschäftigungen, um die Impulse zu kanalisieren“, beschreibt Bihn die Workshop-Inhalte. Im zusätzlichen Training setzt sich die Hundeverhaltenstherapeutin dann konkret mit dem Verhalten des Hundes auseinander. „Da Jagdverhalten hochgradig selbstbelohnend ist, kann man einzelne Elemente wunderbar nutzen, um den Hund zu mehr Kooperation zu motivieren.

Das Motto lautet ,Nicht verbieten, sondern Kanalisieren’“. Gemeinsames Jagen als Belohnung für einen gelungen Rückruf wie zum Beispiel eine Spur gemeinsam abzusuchen wird jeden Hund hochgradig erfreuen. Beim Anti-Jagd-Training ist es sehr wichtig, dass man Belohnungen wählt, die die jagdliche Motivationen befriedigen: „So bietet man dem Tier als einen Ersatz, an einen Dummy zu hetzen statt eines Hasen“, betont die Mannheimerin. Bewährt hat sich auch das Clickertraining, mit dem man erwünschtes Verhalten sekundengenau einfangen kann. Damit könnten oft schon nach wenigen Tagen Erfolge erzielt werden, und die Hunde werden aufmerksamer und kooperativer.

In ihrem Trainingsrepertoire hält die Tierliebhaberin zahlreiche Varianten für ihre betroffenen Kunden parat. Oft müsstenes gar keine so riesigen Resultate sein. Auch kleine Schritte würden schon ein Erfolgserlebnis bescheren. Nadine Bihn weiß aus Erfahrung, dass es schon ungemein erleichtert, wenn der Hund und sein Mensch entspanntere Spaziergänge machen können. „Alleine schon, wenn der ewige Dauerzug auf die Leine wegfällt und der Hund seine Aufmerksamkeit teilen lernt, wird den Besitzern im wahrsten Sinne des Wortes eine Last von den Schultern genommen.

Denn dieser permanente Zug kann sich gesundheitsschädigend auf die Gelenke von Beiden auswirken“, berichtet Nadine Bihn. Ihr Ziel ist es, dem Mensch-Hund- Gespann wieder Freude an den Spaziergängen zurück zugeben.

Zur Person
Nadine Bihn ist eine erfahrene Hundetrainerin, die regelmäßig Weiterbildungsmaßnahmen absolviert. Bihn ist Gründerin der Mannheimer Hundeschule „Chico rockt“, die auch in Bensheim Trainingsmöglichkeiten anbietet.

Von Swenja Knüttel